Ein zentraler Entscheid an der 14. Hauptversammlung von UND Generationentandem: Das Generationenfestival erhält ab 2026 einen Eintritt. Mit dem solidarischen Preissystem will der Verein die Finanzierung sichern. Gleichzeitig präsentierte er solide Zahlen und verwies auf 37’000 Stunden freiwilliges Engagement im vergangenen Jahr.
Bilder: Margitta Bürgin
80 Stimmberechtigte und vier Gäste trafen sich am Dienstagabend im Dachstock des Begegnungszentrums Höchhus in Steffisburg zur 14. Hauptversammlung von UND Generationentandem. Neben Jahresrechnung, Budget und Wahlen stand vor allem eine Frage im Zentrum: Wie kann das Generationenfestival künftig finanziert werden?
Bisher war der Eintritt zum Generationenfestival frei. Wer wollte, kaufte ein Festivalbändeli oder unterstützte den Anlass mit einer Kollekte. 5’500 Personen besuchten das Festival 2025. 1’350 Bändeli brachten rund 27’000 Franken ein, die Kollekte weitere 4’000 Franken. Dennoch schloss das Festival bei einem Aufwand von rund 130’000 Franken mit einem Defizit von knapp 7’000 Franken.
Verena Allenbach, im Vorstand verantwortlich für die Finanzen, machte deutlich, dass das Modell an Grenzen stosse. «Die Kombination aus freiwilligem Bändeli und Kollekte war für viele nicht klar – und sie hat am Ende schlicht nicht gereicht», sagte sie. Gleichzeitig gingen Beiträge von Gönner:innen zurück.
«Das Festival hat einen Wert – ideell und organisatorisch.»
Fritz Zurflüh
Der Vorstand schlug deshalb ein solidarisches Preissystem vor. Ab 2026 gelten drei Eintrittsstufen: 25 Franken, 10 Franken sowie 50 Franken oder mehr. Der Eintritt gilt für alle drei Festivaltage. «Das Festival hat einen Wert – ideell und organisatorisch», sagte Vorstandsmitglied Fritz Zurflüh. «Mit einem moderaten Eintritt machen wir diesen Wert sichtbar.»
In der Diskussion erhielt der Vorschlag breite Unterstützung. Mehrere Wortmeldungen betonten, das neue System schaffe Transparenz und bleibe dennoch niederschwellig. Der Antrag wurde mit einer Enthaltung angenommen.
Der Entscheid fiel nicht isoliert. Die Versammlung blickte auf ein intensives Vereinsjahr zurück. Rund 200 Freiwillige engagierten sich 2025 in der Gastronomie, im Programm, in der Redaktion, beim Generationenfestival und im Bereich digitale Teilhabe. Gemeinsam leisteten sie 37’000 Stunden Arbeit – ein geschätzter Gegenwert von rund 1,3 Millionen Franken.
UND Generationentandem organisierte 210 Veranstaltungen. Generationenforen behandelten Themen wie Einsamkeit, Smart Cities oder «Thun und der Tod». Politpodien griffen aktuelle Abstimmungen auf. Gesprächsformate, Mitmachangebote, das Kerzenziehen und das Generationenfestival prägten das Jahr. Insgesamt nahmen rund 16’600 Personen an den Veranstaltungen teil.
Auch strukturell entwickelte sich der Verein weiter. Das «Offene Höchhus» trägt neu den Namen «Begegnungszentrum von UND Generationentandem». Die neue Website ist seit einigen Monaten online und stärkt insbesondere die redaktionelle Arbeit. In den kommenden Jahren will die Organisation ihre Bildungsangebote weiter ausbauen.
Finanziell schloss UND Generationentandem das Jahr 2025 mit einem Gewinn von 12’053.68 Franken ab. Der Aufwand betrug 670’749.35 Franken, der Ertrag 682’803.03 Franken. Das Eigenkapital beläuft sich per Ende Jahr auf 65’513.45 Franken.
Der Vorstand reagiert auch strukturell auf die finanziellen Risiken. Er legte 25’000 Franken aus dem Betriebsgewinn 2025 in einen neu geschaffenen Sicherheitsfonds ein. Zusammen mit einer zweckgebundenen Spende verfügt dieser Fonds per Ende Jahr über 37’100.50 Franken.
Mit dem Sicherheitsfonds will der Verein handlungsfähig bleiben, wenn Unvorhergesehenes eintritt. Fällt etwa ein grosses Festival wegen schlechten Wetters finanziell schwach aus oder verursacht ein technischer Defekt im Begegnungszentrum hohe Kosten, kann der Vorstand auf diese Reserve zurückgreifen. Über die Verwendung entscheidet er jeweils formell.
Gleichzeitig bleiben Herausforderungen: Das Begegnungszentrum weist weiterhin ein strukturelles Defizit aus, wenn auch tiefer als budgetiert. Ab 2026 wird UND Generationentandem zudem mehrwertsteuerpflichtig, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Langfristig strebt der Vorstand an, das Eigenkapital auf 150’000 Franken zu erhöhen.
UND Generationentandem erwirtschaftet den grössten Teil seines Budgets selbst. Von rund 700’000 Franken Ertrag im Jahr 2025 stammen über 500’000 Franken aus eigenen Leistungen – etwa aus der Gastronomie, dem Kerzenziehen, aus Kursen im Bereich Digitale Teilhabe, aus Mitgliederbeiträgen und aus Spenden.
Öffentliche Beiträge sichern dennoch die Grundstruktur. Die Gemeinde Steffisburg unterstützt das Begegnungszentrum mit 60’000 Franken pro Jahr bis Ende 2028. Die Stadt Thun beteiligt sich ab 2026 bis 2028 mit jährlich 31’000 Franken für Aktivitäten in der Stadt Thun. Hinzu kommen Beiträge von Stiftungen wie der Beisheim Stiftung, der Stiftung SILEA oder dem Migros-Kulturprozent.
Die Zahlen zeigen: Der Verein trägt seine Arbeit zu einem grossen Teil selbst. Gleichzeitig schafft er mit dem Begegnungszentrum, Bildungsangeboten und öffentlichen Diskussionen Räume, die für die Region wichtig sind. Öffentliche Gelder tragen damit zu einer sozialen Infrastruktur bei, die vielen zugutekommt.
An der Hauptversammlung kam es auch zu personellen Veränderungen. Neu in den Vorstand gewählt wurde Viktoria Vitanova-Kerber, die sich bereits in der Gastronomie, in der Redaktion und im Generationenfestival engagiert hat.
Verabschiedet wurden Tabea Arnold, Arbër Shala und Alina Gerber. Das Co-Präsidium mit Erika Kestenholz und Livia Thurian sowie die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden bestätigt.
Mit dem Entscheid zum Eintritt beim Generationenfestival setzt die Organisation ein Zeichen: Das Festival soll weiterhin für alle Generationen zugänglich bleiben – aber auf einer finanziell stabileren Grundlage.