Im Coiffeurladen «Zum goldenen Kamm» im Berner Lorrainequartier ist aktuell eine beeindruckende und berührende Bilderausstellung zu sehen: Die Berner Künstlerin Sandra Sasdi, die nach einer Hirnblutung vor bald drei Jahrzehnten das Sprechen und Schreiben verloren hat, findet mit Pinsel und Farbe eine neue Ausdruckform, die von Freude, Kraft und Zuversicht erzählt. Ein Besuch lohnt sich.
Mittwoch, 4.03.2026
Es ist nicht ihre erste Ausstellung, im Gegenteil. Die Werke von Sandra Sasdi werden seit bald 20 Jahren in diversen Einzel- und Gruppenausstellung gezeigt. Neben ihrem regelmässigen Engagement bei «Fragile Suisse» und Ausstellungen in Kultur- und Rehabilitationszentren, wurden ihre Bilder wiederholt in Kunstgalerien ausgestellt (Galerie Ramseyer Kälin, Bern, Galerie L’Aurore in Sorrens).
Über die Jahrzehnte hinweg wandelte sich ihr Werk vom dunklen Farbton zur Vielfarbigkeit und von der Schwere zur Leichtigkeit.
An den Wänden des Coiffeursalons, der Dank einer Spiegelwand fast grossräumig erscheint, hängen zahlreiche kleinformatige, zarte Aquarell – und Tuschbilder im naturalistischen Stil. Sie imponieren durch ihre Keckheit und intensiver Farbgebung. Zu sehen sind Vögel, die einzeln oder in Kleingruppen, hüpfend, tanzend und fliegend, die Beweglichkeit und das Leben zelebrieren. Nicht erstaunlich, dass unter vielen Bildern bereits rote Verkauft-Punkte kleben.
Sandra Sasdi (*1966 in Bern) arbeite bis zu ihrem dreissigsten Lebensjahr als Primarlehrerin in Murten. Ihre Herzens-Domaine war die Sprache, das Schreiben und das Sprechen. Neben dem Unterrichten, verfasste sie Texte und war auch als Regieassistentin bei verschiedenen Theaterproduktion in Murten und Fribourg beteiligt. Sie wurde schwanger und freute sich, Mutter zu werden.
Im Dezember 1996 erlitt sie während der Geburt ihrer Tochter eine Hirnblutung mit schwerwiegenden Folgen. Eine riesige Herausforderung. Alles stand Kopf und nichts war mehr wie zuvor: Die rechte Seite blieb gelähmt und das Sprechen und Schreiben war nicht mehr möglich. Wie sollte sie als Mutter funktionieren? Wie ihre Arbeitswelt gestalten, ihre Kreativität ausleben?
Es folgte ein langer, schwieriger Prozess, doch Sandra Sasdi fand auf alles Antworten. Sie hat neue Kommunikationsformen gefunden und den Schreiber mit dem Pinsel getauscht. Heute ist sie eine glückliche Mutter, hat einen grossen Freundeskreis und ist weiterhin erfolgreich pädagogisch und künstlerisch tätig. Neben der Malerei mit über zehn Ausstellungen arbeite sie mit behinderten Menschen in der Wohngruppe Tannacker in Mosseedorf sowie an der Primarschule in Murten. Ebenfalls engagierte sie sich bei der pädagogischen Hochschule Zürich sowie wie am MUS-E-Projekt der Stadt Bern, einem Kulturvermittlungsprogramm, das künstlerische Aktivität mit Bildung kombiniert.
In wenigen Monaten feiert Sandra Sasdi ihren sechzigsten Geburtstag. Ihre Bilder sind luftig leicht und farbenfroh, sie feiern das Leben, wie sie selber.
Vom 13. Februar bis Ende März 2026
im «Zum Goldenen Kamm», Talweg 1, 3013 Bern
Öffnungszeiten: Mo: 10 bis 19 Uhr | Mi–Fr: 10 bis 19 Uhr | Sa: 10 bis 16 Uhr
Weitere Infos: www.sandrasasdi.com