
Beim Generationenforum «Thun und der Tod» erzählten Fachpersonen aus Bestattung, Seelsorge und Trauerbegleitung, wie sie Sterben und Abschied im Alltag erleben – und was uns allen helfen könnte, offener mit Trauer umzugehen.
Das Generationenforum «Thun und der Tod» vom Mittwoch, 19. November 2025 widmete sich einem Thema, das viele meiden – und zugleich alle betrifft. Der Abend, organisiert und moderiert von Anna Zimmermann (18), führte eindrücklich vor Augen, wie vielfältig und kraftvoll der Umgang mit Sterben und Trauer sein kann.
Gleich zu Beginn stand der Gedanke im Raum, dass alles Leben vergänglich ist:
«Alles hat einen Anfang und ein Ende.»
«Im Frühling spriessen Blumen.»
«Im Herbst fallen Blätter.»
Ein Kreislauf, der uns daran erinnert, dass auch unser eigenes Dasein einem Rhythmus folgt.
Bestatter Fabian Trüssel gewährte einen seltenen Einblick in einen Beruf, der rund um die Uhr Nähe erfordert: «Mein Beruf ist für mich … ein Geschenk.»
«Es gibt nichts Schwierigeres, als wenn niemand weiss, was sich jemand gewünscht hätte.»
Fabian Trüssel
Er erzählte von nächtlichen Anrufen, stillen Wohnzimmern und Gesprächen, in denen Familien inmitten des Schmerzes Entscheidungen treffen müssen. Besonders wichtig seien geklärte Wünsche der Verstorbenen – nicht nur, um Streit zu verhindern, sondern um Angehörigen Last abzunehmen:
«Es gibt nichts Schwierigeres, als wenn niemand weiss, was sich jemand gewünscht hätte.»
Pfarrerin und Ritualbegleiterin Uta Ungerer nahm das Publikum mit zu Abschieden im Wald, am Thunersee, in Dorfkirchen und stillen Wohnzimmern. Für sie steht immer der Mensch im Zentrum: «Jede Trauerfeier ist für mich eine Feier vom Leben.»
Ob Rap in einer tausendjährigen Kirche oder leises Flötenspiel am Ufer – jede Geschichte, jede Biografie verlangt nach einer eigenen Form.
«Jede Trauerfeier ist für mich eine Feier vom Leben.»
Uta Ungerer
Sie sprach auch über die Bedeutung der Stille:
«In jeder Feier gibt es einen Moment von Stille. Den lasse ich mir nicht nehmen.»
In dieser Stille könne man innerlich «Danke» sagen, aber auch: «Hey, das war nicht gut.»
Besonders eindrücklich war ihr Blick auf das Unaussprechliche:
«Manchmal frage ich beim Schreiben den Verstorbenen selber nach: Habe ich das richtig verstanden?»
Trauerbegleiterin Kathrin Häberli zeigte auf, wie existenziell wichtig geschützte Orte für junge Menschen sind, die einen Verlust erlebt haben. In Gruppen, beim Zusammensein im Freien, im gemeinsamen Gespräch entsteht Verbundenheit:
«Austausch für Kinder, aber auch für Erwachsene, die Ähnliches erleben, kann sehr wertvoll, tröstlich und mutmachend sein.»
Ihr Wunsch an die Gesellschaft ist schlicht und klar:
«Wir dürfen Menschen in Trauer nicht allein lassen.»
Und: «Es reicht nicht zu sagen: Meldet euch. Es ist an uns, auf Menschen in Trauer zuzugehen.»
Das Generationenforum zeigte, dass der Tod nicht das Ende der Beziehungen ist – und dass Trauer Raum, Zeit und Menschen braucht, die bereit sind hinzusehen.
Vielleicht fasst ein Satz aus dem Abend die Essenz am besten zusammen:
«Trauer gehört zum Leben und ist eine unserer ursprünglichsten Emotionen.»