Trauer sichtbar machen

Trauer sichtbar machen

Beim Generationenforum «Thun und der Tod» erzählten Fachpersonen aus Bestattung, Seelsorge und Trauerbegleitung, wie sie Sterben und Abschied im Alltag erleben – und was uns allen helfen könnte, offener mit Trauer umzugehen.

Das Generationenforum «Thun und der Tod» vom Mittwoch, 19. November 2025 widmete sich einem Thema, das viele meiden – und zugleich alle betrifft. Der Abend, organisiert und moderiert von Anna Zimmermann (18), führte eindrücklich vor Augen, wie vielfältig und kraftvoll der Umgang mit Sterben und Trauer sein kann.

Heiner Bregulla führte mit historischen Perspektiven ins Thema ein.
Bild: Hans-Peter Rub

Gleich zu Beginn stand der Gedanke im Raum, dass alles Leben vergänglich ist:
«Alles hat einen Anfang und ein Ende.»
«Im Frühling spriessen Blumen.»
«Im Herbst fallen Blätter.»
Ein Kreislauf, der uns daran erinnert, dass auch unser eigenes Dasein einem Rhythmus folgt.

Anna Zimmermann, hier im Austausch mit Kathrin Häberli, moderierte das Generationenforum und führte durch den Abend.
Bild: Hans-Peter Rub

Der Bestatter: Vertrauen und Verantwortung

Bestatter Fabian Trüssel gewährte einen seltenen Einblick in einen Beruf, der rund um die Uhr Nähe erfordert: «Mein Beruf ist für mich … ein Geschenk.»

«Es gibt nichts Schwierigeres, als wenn niemand weiss, was sich jemand gewünscht hätte.»

Fabian Trüssel

Er erzählte von nächtlichen Anrufen, stillen Wohnzimmern und Gesprächen, in denen Familien inmitten des Schmerzes Entscheidungen treffen müssen. Besonders wichtig seien geklärte Wünsche der Verstorbenen – nicht nur, um Streit zu verhindern, sondern um Angehörigen Last abzunehmen:
«Es gibt nichts Schwierigeres, als wenn niemand weiss, was sich jemand gewünscht hätte.»

Bestatter Fabian Trüssel gab Einblicke in die praktische und emotionale Realität seines Berufs.
Bild: Hans-Peter Rub

Die Pfarrerin: Geschichten eines Lebens

Pfarrerin und Ritualbegleiterin Uta Ungerer nahm das Publikum mit zu Abschieden im Wald, am Thunersee, in Dorfkirchen und stillen Wohnzimmern. Für sie steht immer der Mensch im Zentrum: «Jede Trauerfeier ist für mich eine Feier vom Leben.»
Ob Rap in einer tausendjährigen Kirche oder leises Flötenspiel am Ufer – jede Geschichte, jede Biografie verlangt nach einer eigenen Form.

«Jede Trauerfeier ist für mich eine Feier vom Leben.»

Uta Ungerer
Pfarrerin und Ritualbegleiterin Uta Ungerer sprach über individuelle Abschiedsrituale.
Bild: Hans-Peter Rub

Sie sprach auch über die Bedeutung der Stille:
«In jeder Feier gibt es einen Moment von Stille. Den lasse ich mir nicht nehmen.»
In dieser Stille könne man innerlich «Danke» sagen, aber auch: «Hey, das war nicht gut.»

Besonders eindrücklich war ihr Blick auf das Unaussprechliche:
«Manchmal frage ich beim Schreiben den Verstorbenen selber nach: Habe ich das richtig verstanden?»

Die Hang-Musik von Uta Ungerer begleitete das Forum mit klaren Tönen.
Bild: Hans-Peter Rub

Die Trauerbegleiterin: Raum für Kinder und Jugendliche

Trauerbegleiterin Kathrin Häberli zeigte auf, wie existenziell wichtig geschützte Orte für junge Menschen sind, die einen Verlust erlebt haben. In Gruppen, beim Zusammensein im Freien, im gemeinsamen Gespräch entsteht Verbundenheit:
«Austausch für Kinder, aber auch für Erwachsene, die Ähnliches erleben, kann sehr wertvoll, tröstlich und mutmachend sein.»

Trauerbegleiterin Kathrin Häberli berichtete aus ihrer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Bild: Hans-Peter Rub

Ihr Wunsch an die Gesellschaft ist schlicht und klar:
«Wir dürfen Menschen in Trauer nicht allein lassen.»
Und: «Es reicht nicht zu sagen: Meldet euch. Es ist an uns, auf Menschen in Trauer zuzugehen.»

Was vom Abend bleibt

Das Generationenforum zeigte, dass der Tod nicht das Ende der Beziehungen ist – und dass Trauer Raum, Zeit und Menschen braucht, die bereit sind hinzusehen.

Vielleicht fasst ein Satz aus dem Abend die Essenz am besten zusammen:
«Trauer gehört zum Leben und ist eine unserer ursprünglichsten Emotionen.»

«Trauer braucht Raum» – Besucher:innen im offenen Austausch während des Forums.
Bild: Hans-Peter Rub
Gespräche in der Runde: Besucher:innen teilen Gedanken und Fragen zum Thema Tod.
Bild: Hans-Peter Rub
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