In der Kunstgalerie SalviArte im Berner Breitenrainquartier ist unter dem Titel „Inspiration“ das vielseitige Werk der 87-jährigen Malerin Veronika Stefanini ausgestellt. Neben grossformatigen berauschenden Naturbildern, gibt es auch humorvolle Stillleben, abstrakte Aquarellarbeiten, Collagen und Skulpturen zu entdecken. Ein lohnenswertes Erlebnis.
Mittwoch, 25.02.2026
Der Titel der Ausstellung «Inspiration» passt: Nicht nur die Vielseitigkeit, Tiefe und poetische Schönheit in Stefaninis Werk sind inspirierend, sondern auch die persönliche Begegnung mit der so vitalen, offenen und humorvollen Künstlerin.
Veronika Stefaninis Arbeiten erzählen mit Poesie und Humor von Farben, Formen und Linien. Auch Tierzeichnungen wie Porträts von Mitmenschen (Letztgenannte nicht ausgestellt) nehmen einen wichtigen Platz in ihrem Schaffen ein. Die Natur, welche die Malerin als die grösste Künstlerin bezeichnet, ist ihr Vorbild.
Veronika Stefanini ist bereits als Kind durch ihre Kreativität und Begabung für das Gestalterische aufgefallen. Ihre eigentliche künstlerische Karriere begann aber erst im Alter von 40 Jahren, nachdem sie in Zürich einer Weiterbildung bei der F+F Schule besucht hatte. Stefanini ist viel gereist und viel gewandert, sie ist neugierig und interessiert sich für das Gegenüber, ob Mensch, Tier, Gegenstand oder Natur. Häufig lässt sie sich beim Malen von Naturphänomenen inspirieren, erfasst Bewegung und Aufbau und komponiert daraus ihre Bilder. So sind riesige Werke von Wüstenlandschaften und Meeresstränden entstanden, die durch ihre Detailschärfe berauschen und auf viele Besucher:innen fast meditativ wirken.
In einer weiteren Werkgruppe, die prominent im Eingangsbereich der schön gestalteten Ausstellung hängt, nimmt die Künstlerin das Innenleben von Baumnüssen unter die Lupe. Die übergrossen Nusshälften provozieren mitunter Assoziationen, die sich keck um Zweierbeziehungen und Erotik drehen. Wieder ganz anders imponieren kleinformatigere Bildserien und Collagen von abstrakten Arbeiten, deren Linienführung und rhythmische Muster eine eigene, universale Ästhetik ausstrahlen.
Obschon die Galerie SalviArte über sehr viele Räume verfügt, war an der Vernissage kaum Platz zu finden, so überwältigend gross war an diesem Spätnachmittag das Interesse. Die 1938 in Winterthur geborene Künstlerin besitzt kein Internet, dafür eine wunderschöne Handschrift, mit der sie all ihre Einladungskarten geschrieben und sie an ihren nicht kleinen Freundeskreis zugeschickt hat. Mit Wirkung.
Der Kunsthistoriker Christoph Liechtin hat in seiner kurzweiligen Werkeinführung die Vielseitigkeit in Stefaninis Werk betont sowie auf ihre grosse Beobachtungsgabe und Fähigkeit hingewiesen, in fast mikroskopischer Weise Strukturen und Gestaltung von Naturerscheinungen grossformatig wiederzugeben. Ebenfalls zeigte er sich von dem unbestechlichen Humor der Künstlerin beeindruckt, der auch in ihren Bildern immer wieder auftaucht. Beispielhaft dafür steht die erstmals ausgestellte Werkserie mit dem Titel «Geschichte einer Beziehung», in der eine mal harmonisch, dann wieder spannungsvolle «Partnerschaft» zweier Teekannen wunderschön dargestellt ist.
Christoph Liechtin, der auf eine langjährige Erfahrung als Museumskurator (Luzern) und Berater für Sammlungen und Museum zurückblickt, hat die Künstlerin während der letzten Monate bei der Sichtung ihres Werkes unterstützt, mit ihr die Bilder sortiert und die wichtigsten Werkgruppen zusammengestellt. Dank der grossräumigen Galerie, der warmherzigen Galeristin Bettina Michaelis sowie der sachkundigen kuratorischen Arbeit des kubanischen Künstlers Rubén Hechavarria Salvia, der in der Galerie auch sein Atelier hat, ist diese inspirierende Rückschau über Stefanis Werk möglich geworden.