Nachhaltigkeit trifft Gemeinschaft: Ein Besuch im Generationenhaus Langnau

Nachhaltigkeit trifft Gemeinschaft: Ein Besuch im Generationenhaus Langnau

Nachhaltiger Holzbau, durchdachte Gemeinschaftsräume und ein innovatives Energiekonzept – das Generationenhaus Langnau im Emmental zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsorientiertes Wohnen aussehen kann. Unser Besuch bei der Generalversammlung des «Fördervereins Generationenwohnen Bern-Solothurn» bot spannende Einblicke.

Wo nachhaltiges Bauen auf innovative Gemeinschaftsförderung trifft: Das Generationenhaus in Langnau.
Bild: Thomas Eichkorn

Am 27. Mai 2024 besuchten wir das Generationenhaus in Langnau im Emmental anlässlich der Generalversammlung des Vereins «Förderverein Generationenwohnen Bern-Solothurn». Hier bin ich – Thomas Eichkorn, Mitglied der Arbeitsgruppe wohnenUNDleben – auch Mitglied und danke unserer Vorstandschaft für die Organisation des Abends. Das Gebäude beeindruckte mich nicht nur durch seine moderne Bauweise, sondern auch durch seine durchdachten Gemeinschaftsbereiche, die das Zusammenleben der Generationen fördern. Schon von der Strasse aus sichtbar sind die Holzkonstruktion, die bodentiefen Fenster und die breiten Laubengänge.

Viel Platz unter der Laube: Hier begegnen sich die Bewohner:innen.
Bild: Thomas Eichkorn

Architektur und Holzbau

Das Generationenhaus ist ein Paradebeispiel für nachhaltigen Holzbau. Die gesamte Konstruktion besteht aus Holz, was nicht nur ökologisch vorteilhaft ist, sondern auch ein warmes und einladendes Ambiente schafft. Als lichtdurchfluteter Innenraum bildet das Atrium einen hellen, inspirierenden Dorfplatz, selbst an diesem regnerischen Abend. Hier fühle ich mich gleich wohl.

Gemeinschaftsbereiche

Dieser zentrale Raum dient als Treffpunkt für Bewohner aller Altersgruppen und fördert den sozialen Austausch. Die grosszügige Dachverglasung lässt viel Tageslicht herein und schafft eine freundliche Atmosphäre. Hier finden regelmässig Veranstaltungen und Aktivitäten statt, die das Gemeinschaftsleben bereichern und die Integration der Bewohner unterstützen. Hier spielen Kinder, es gibt einen langen Tisch, an dem zusammen gegessen und gefeiert werden kann, wir sehen gemütliche Sofaecken, eine Bibliothek und den grossen, hellen Waschsalon. «Schränke mit privaten Dingen sind jeweils auch vor den Wohnungen! Eine einfache Art, die zufällige Begegnung zu fördern», erfahren wir von Urs auf dem Rundgang.

Veranstaltungsort, Bibliothek, Essenstisch und vieles mehr: Diese Begegnungszone ist das Herzstück des Generationenhaus Langnau.
Bild: Thomas Eichkorn

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für das gemeinschaftsfördernde Konzept des Hauses ist der Keller ohne persönliche Abteilungen. Anders als in traditionellen Wohngebäuden, wo Kellerabteile oft private Lagerräume sind, ist der Keller im Generationenhaus als offener Raum gestaltet. Dies fördert nicht nur den Austausch und das Miteinander, sondern ermöglicht auch flexible Nutzungsmöglichkeiten. Das Denken «outside the box» und die Kommunikation beginnt sozusagen ganz unten und bildet so die Grundlage für Vertrauen untereinander.

Keine separaten Kellerabteile: Auch hier steht das Miteinander und die Begegnung im Vordergrund.
Bild: Thomas Eichkorn

Neben diesem grossen offenen Kellerraum sind ein grosser Bereich für Fahrradabstellplätze, eine Werkstatt, drei mietbare Kellerräume und eine weitere Besonderheit, der Heizraum im Untergeschoss des Generationenhauses zu sehen.

Minergie-P Standard

Das Generationenhaus nutzt eine 192 m² grosse PV-Anlage (Photovoltaik) zur Energiegewinnung in Verbindung mit einer Stückholzheizung und eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Urs erklärt uns vor der Stückholzheizung: «Durch diese Art zu heizen, reduzierte sich die Pufferspeichergrösse – dafür haben wir jetzt ein Zimmer mehr – und ein sozialer Aspekt kam dazu: vier Personen erklärten sich bereit, die Speichertemperatur und das Wetter im Auge zu behalten. Wenn lange keine Sonne scheint, heizen wir zu. Die Verbundenheit zur Natur und auch die aktive Abstimmung tragen zur Gemeinschaft bei. Das ein Meter lange Stückholz kommt aus den umliegenden Wäldern – 30 Ster verbrauchen wir im Schnitt pro Jahr. Auf die Zähler für die 20 Wohnungen wurde auch aus Kostengründen verzichtet: Wir legen einfach den Gesamtverbrauch auf alle pro Kopf um.»

«Und der ist sehr gering», bestätigt uns Resa.

Stückholz aus den umliegenden Wäldern: Das Holz hält das Generationenhaus gemeinsam mit einer PV-Anlage warm. – Bild: Thomas Eichkorn
Bild: Thomas Eichkorn

Fazit

Der Besuch im Generationenhaus Langnau i. E. hat eindrucksvoll gezeigt, wie nachhaltiges Bauen und gemeinschaftliches Wohnen miteinander vereint werden können. Das Gebäude setzt Massstäbe im Holzbau und in der Energieeffizienz und bietet gleichzeitig durchdachte Gemeinschaftsräume, die das soziale Miteinander fördern. Und genau aus diesem Grund ist Privatsphäre wichtig! «Durch die Wohnungstüren und die dreifach verglasten Fenster zum Atrium hören wir nichts», bestätigte uns Resa. Es ist ein Vorbild für zukunftsorientiertes Wohnen und zeigt, wie Architektur und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können.

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