Der Klimawandel verkürzt die Skisaison, da bei steigenden Temperaturen die Dauer der Schneebedeckung abnimmt. Viele Skigebiete reagieren auf diese Situation mit künstlicher Beschneiung der Pisten. Eine andere Möglichkeit, die Skisaison zu verlängern, besteht im «Snowfarming».
Samstag, 17.01.2026
Der langfristige Trend ist klar: Die Häufigkeit und Intensität von Schneefällen gehen zurück. Laut einer Analyse der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat es in den vergangenen 30 Jahren in der Schweiz je nach Ort und Lage bis zu 60 Prozent weniger Schneetage als in der Periode von 1963 bis 1992 gegeben. Das bedeutet vor allem für niedriger gelegene Skigebiete eine deutlich kürzere Wintersaison und entsprechend weniger Einnahmen.
Als Reaktion auf die reduzierte Verfügbarkeit des «weissen Goldes» Schnee setzen Wintersportorte auf technisch erzeugten Schnee, der mittels Schneekanonen auf die Skipisten ausgebracht wird. Der Kunstschnee hat allerdings eine Reihe von Nachteilen: Er benötigt grosse Mengen an Wasser (für das Beschneien eines Hektars Pistenfläche werden etwa eine Million Liter Wasser benötigt), seine Erzeugung ist energieintensiv, er verdichtet den Boden, und die zugesetzten Chemikalien können nachteilige Auswirkungen auf Flora und Fauna haben. Zudem verursachen die lauten Schneekanonen eine erhebliche Lärmbelästigung. Daher suchen viele Wintersportregionen nach Alternativen. Eine davon ist das Snowfarming. Was ist darunter zu verstehen – ein Bauernhof zum Anbau von Schnee? Das «Farming» bezieht sich nicht auf den Anbau von Schnee, sondern auf die Lagerung, den haushälterischen Umgang mit der natürlichen Ressource Schnee. Kurz gesagt wird Schnee, der am Ende der Saison noch vorhanden ist, aufgehoben, um ihn in der Folgesaison nochmal zu nutzen. Ein zweiter Winter für den Schnee von gestern.
Im Detail läuft das Snowfarming so ab: Der Schnee, der nach Abschluss der Saison noch auf den Pisten liegt, wird gesammelt und zu grossen Schneehaufen zusammengeschoben. Diese Schneehaufen werden dann abgedeckt, um sie vor der Sommerhitze zu schützen. Als Isoliermaterialien werden entweder Kunststoff-Planen, Hackschnitzel oder Sägemehl eingesetzt. Die Schneeverluste über Sommer betragen je nachdem, wie gut die Abdeckung ist, zwischen 13 und 50 Prozent (Angaben vom WSL), das heisst ein grosser Teil des Schneevorrats bleibt erhalten. Im Herbst wird dann die Isolierschicht entfernt und der Schnee wird auf die Pisten verteilt, um einen frühen Saisonstart zu ermöglichen. Zudem ist der Saisonstart vorhersagbar, denn mit der Nutzung des konservierten Schnees ist man unabhängig davon, wann der erste Schneefall einsetzt.
«Snowfarming bedeutet nicht, Schnee anzubauen, sondern ihn klug zu bewahren.»
Helmut Segner
Ein Ort, an dem Snowfarming bereits praktiziert wird, ist das Engetal bei Stechelberg im Berner Oberland. Hier werden im Sommer jeweils zwei Schneedepots errichtet. Rund 95’000 Kubikmeter Schnee werden Ende Juni in Trapezform rund zehn Meter hoch aufgeschüttet. Die Oberseiten der Schneehaufen werden anschliessend mit Dämmplatten aus Hartschaum abgedeckt, mit Schaumstoff-Matten überdeckt und diese wiederum mit einem Nahtabdeckband fixiert. Zum Schluss wird das gesamte Depot mit weissen Gletschervliesbahnen beschichtet. Ende Oktober werden die Depots abgedeckt, der Schnee verteilt und zu einer Skipiste verarbeitet. Der verfügbare Schnee ermöglicht einen frühen Wintersaisonstart Anfang November. Dieser frühe Start ist auch für regionale Ski-Teams von Bedeutung, da diese so die die Möglichkeit erhalten, ohne grossen Aufwand für die bevorstehende Saison wichtige Trainings zu absolvieren.
«Rund 95’000 Kubikmeter Schnee werden im Sommer zu Schneedepots aufgeschichtet.»
Helmut Segner
Verglichen mit anderen Methoden des Schneemanagements bietet Snowfarming eine Reihe von Vorteilen:
Man kann die Saison früher eröffnen. Beispielsweise startet die Tschentenalp in Adelboden die Skisaison mittels Snowfarming bereits am 28. Oktober.
Snowfarming ermöglicht weitgehend einen vorhersagbaren Start in die Wintersaison, was auch gerade für Sportveranstaltungen wichtig ist.
Die Methode ist nachhaltig und ressourcenschonend.